Kommt das Dean-Reed-Treffen in die Krise?
Potsdam-Babelsberg, Berlin, Berlin, Potsdam-Rehbrücke – so lauteten die Stationen, in denen Fans, Freunde und Kollegen von Dean Reed ihre jährlichen Treffen veranstalteten. Keine Treffen, bei denen wehleidig der guten alten Zeit hinterher getrauert wird, sondern Treffen, bei denen Neuigkeiten, Anekdoten und Insiderwissen ausgetauscht werden.
Im 5. Jahr wagten die Veranstalter Konstanz und setzten auf einen im Vorjahr bewährten Austragungsort. Mit dem Hans-Eisler-Klub des „Breitband e.V.“ fand man einen Partner, der nicht nur kommerzielle Interessen an der Veranstaltung hat. Im Gegenteil, man unterstützte die Organisatoren bei der Bekanntmachung des Treffens und brachte den „Dean-Reed-Abend“ im Rahmenprogramm der Feierlichkeiten zu „Potsdam 2011 – Stadt des Films“ unter. Eine bessere Würdigung der Arbeit des „Dean-Reed-Freundeskreises“, der sich aber nicht so nennt, kann es nicht geben.
Um die Veranstaltung auch ansprechend zu gestalten, wurden eine kleine Ausstellung initiiert sowie einige seltene gezeigte Schätze des umfangreichen Archivs präsentiert. Eine Versteigerung sowie bisher unveröffentlichte Tondokumente rundeten das Angebot ab. Nur interessierten sich leider zu wenige Leute für dieses Treffen. Ein paar wenige neue Gesichter – ansonsten kam nur der bekannte harte Kern, der auch schon beim ersten Treffen dabei war. Man kennt sich (und meist auch schon das ausgestellte Begleitmaterial) – aber man freut sich über das Wiedersehen nach einem Jahr.
Aber woran mag es liegen, daß das allgemeine Interesse der Öffentlichkeit so gering ist? Liegt es am Veranstaltungsort? Wohl kaum, Potsdam ist keine unbekannte Stadt und verkehrstechnisch erschlossen. Und die von auswärts angereisten Gäste bewiesen, daß Potsdam auch zu finden ist. Liegt es an der Person Dean Reed? Wohl kaum, denn der Bekanntheitsgrad ist immer noch ziemlich hoch. Denn man findet noch immer im Bekanntenkreis Personen, die sich als Fan von Dean Reed zu erkennen geben.
Eine Erklärung, warum so wenige Besucher kamen, lieferte der Leiter des Hauses: Möglicherweise schrecken Bezeichnungen wie „Freundeskreis“, „Dean-Reed-Freunde“ oder Ähnliches ab. Man erwartet vielleicht einen festgefügten Personenkreis, der sich nicht öffnet und gegen Neuankömmlinge sperrt. Eben jene spezielle Sorte Menschen, die fest zusammenhalten und eifersüchtig auf Fremdlinge reagieren.
Es bleibt deshalb die Frage: „Lohnt sich der ganze Organisationsaufwand für die paar Leute?“ Eindeutige Antwort: Ja, er lohnt sich. Mit jedem Treffen lernen die Organisatoren hinzu. Außerdem entwickelt sich mit jedem weiteren Treffen eine feste Tradition. Und Veranstaltungen, die Tradition entwickeln und bewahren, können nicht langweilig oder nur für Eingeweihte sein. Außerdem hat der Autor dieses Beitrages auch in diesem Jahr wieder Neuigkeiten erfahren, die ihm so noch nicht bekannt waren. Ein gemütlicher Abend unter Freunden als Weiterbildungsmaßnahme – warum nicht auch unter diesem Aspekt betrachten? Man kann seine Zeit schließlich auch sinnloser verbringen.
Aber wie soll es weiter gehen? Fakt ist, man hat Pläne. Die Ausstellung ist ausbaufähig und würde im größeren Rahmen sicherlich ein paar Leute mehr ansprechen. Ideen – wie, wann und wo - gibt es bereits.
Auch ehemalige Kollegen und Bekannte von Dean Reed, also Zeitzeugen, haben ihr Interesse an weiteren Veranstaltungen bekundet, auch wenn in diesem Jahr aus terminlichen Gründen viele eingeladene „Promis“ abgesagt haben.
Der „Breitband e.V.“ zeigt sich als verlässlicher Partner und wird sich gegen eine Neuauflage im nächsten Jahr an gleicher Stelle sicherlich nicht wehren.
Vieles spricht also dafür, an der Tradition fest zu halten. Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich der ohnehin schon geöffnete Kreis erweitert. Pech für alle Dean-Reed-Fans, die in den vergangenen Jahren aus welchen Gründen auch immer ihr Desinteresse an dem Treffen zum Ausdruck brachten. Ihr habt etwas verpasst!
Gut für Alle, die von Anfang an dabei waren und seitdem das Treffen am Leben erhalten. Und gut für all die Neulinge, die schnell merken werden, daß hier Dean Reeds Andenken bewahrt wird, ohne wehleidig der guten alten Zeit nachzutrauern – und gern in den Kreis der Freunde Dean Reeds aufgenommen werden.

F.B. Habel und Mit-Organisatorin Marion Bomback bei der Eröffnung des Treffens

Die Autoren F.B. Habel und Thomas Grossmann (von links) signierten Fanartikel

Trotz geringerer Beteiligung als in den Jahren zuvor war die Stimmung hervorragend.
© für alle Fotos: Thori, 2011
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