Die Neiße-Tour
Zwischen Spree und Neiße hat sich in den letzten Jahren das Radwegenetz zum vielleicht besten in ganz Brandenburg entwickelt. Mittlerweile sind fast 600 km Radwege entstanden, 400 km davon wurden neu gebaut.
Ein Teil davon führt auf der „Neißetal-Tour“ entlang dem deutsch-polnischen Grenzfluß Neiße und durchstreift dabei die „Jerischker Endmoräne“, Bestandteil des Muskauer Faltenbogens. Der Muskauer Faltenbogen ist eine aus geologischer und kulturhistorischer Sicht Einmaligkeit.
Die „Neißetal-Tour“ durch die „Jerischker Endmoräne“ ist 24 km lang. Dabei führt diese Tour durch den Muskauer Faltenbogen und seinem Hinterland, dem Bahrener Becken. Beides zusammen ergibt mit 24 ha das größte zusammenhängende Waldgebiet Brandenburgs. Die „Neißetal-Tour“ führt deshalb durch ausgedehnte Kiefernwälder, durch stattliche Laubwälder und - sozusagen als Höhepunkt – durch besagtes Neißetal. Höchste Erhebungen in diesem Gebiet sind der Radener Berg (157,4 m), der Spitze Berg (154,4 m), der Weinberg (142,0 m) und der Lissberg (150,2 m). Durch die beschriebene geologische Besonderheit sind hier die Böden im Vergleich zu den sonst in dieser Region vorherrschenden Sandböden viel fruchtbarer und werden bevorzugt als Ackerflächen genutzt. Nachteilig findet man hier viele kleinere und mittlere Feldsteine. Diese wurden früher zum Häuserbau verwendet, entlang der Strecke erkennt man ab und zu noch Gebäude, die aus Feldsteinen gebaut wurden.
Ausgangspunkt der Tour sollte das Informationszentrum Jerischke sein. In einem Pavillon auf dem Gelände des Schullandheimes kann man sich vorab über den Muskauer Faltenbogen, Geschichte, Flora und Fauna der Region informieren. Von hier aus kann man auch den Naturlehrpfad „Weinberg“ auf unterschiedlichen Strecken (5,3 km – 4,2 km -2,5 km) erkunden.
Östlich von Jerischke, nur knapp 2 km entfernt, gelangt man zum Lissberg, „dem Berg, wo der Fuchs lebt“. Hat man den Aufstieg absolviert, bietet sich dem Wanderer ein hervorragender Blick über das Tal der Neiße bis weit hinein nach Polen.
Weiter geht es hinunter ins Neißetal Richtung Pusack. Doch Vorsicht: Die Fahrt hinunter ist etwas für Könner. Die Straße führt mit 12% Gefälle direkt an die Neiße und macht dann eine 90°-Kurve! Wer will, nimmt besser den Weg durch das Naturschutzgebiet „Schwarze Grube“, dem sogenannten „Märchenwald“. Am Beginn der steilen Straßen-Abfahrt geht links ein Weg in die Wolfsschlucht, die mit der daran anschließenden „Schwarzen Grube“ auf nicht ganz so steilen Pfaden ebenfalls ins Neißetal führt. Beeindruckend im „Märchenwald“ die Fauna, ausgedehnte mit Farn bewachsene Flächen und viel Mischwald, durch den sich das Licht der Sonne bricht. Ungestört kann man hier dem Gesang der unterschiedlichsten Vögel lauschen oder trifft das eine oder andere Waldtier.
In Pusack angekommen sieht man als erstes die Reste einer Brücke über die Neiße. Am Brückenstumpf weist ein Schild darauf hin, daß hier im Winter/Frühjahr 1945 Einheiten der Roten Armee über die Neiße setzten auf ihrem Weg nach Berlin. Auf der gegenüberliegenden, jetzt polnischen Seite befindet sich eine ehemalige Papierfabrik Groß Särchen, von der aber nur noch die Ruine steht.
Es empfiehlt sich, einen kurzen, vielleicht 3 km langen Abstecher in Richtung Köbeln zu machen. Umgeben von 200 Jahre alten Buchen fährt man ein Teilstück auf dem Oder-Neiße-Radwanderweg und erreicht das Naturschutzgebiet „Zerna“. Die Neiße schlängelt sich hier durch die bis zu 160 Meter hohen Wände des Muskauer Faltenbogens und man kann gut die ehemaligen, im Laufe der Jahrtausende geformten Flußterrassen erkennen. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Herbst, wenn die Laubfärbung eingesetzt hat und die Laubbäume an den Hängen einen Hauch von Indian Summer vermitteln... Wer will, stattet dem Ziegenhof Raden einen Besuch ab und erholt sich mit frischem Ziegenkäse.
In umgekehrter Richtung geht es dann ca. 6 km weiter nach Bahren, immer dem Flußlauf der Neiße folgend. In Bahren biegen wir links ab und verlassen das Neißetal. Auf einer holprigen Kopfsteinpflaster-Passage geht es wieder bergauf. Wir überqueren die Hauptstraße und setzen unsere Fahrt auf der Fahrradstraße in Richtung Raden fort. Vor allem im Herbst sind die angrenzenden Wälder bei Pilzsammlern besonders beliebt. Und jeder schwört auf seine ganz besonders geheime Stelle, wo man die Pilze nicht suchen, sondern nur noch einsammeln muß! Manche nehmen sogar eine Anreise von bis zu 200 km auf sich, um hier nach Pilzen zu suchen -man achte nur auf die Kennzeichen der Fahrzeuge! Aber die Artenvielfalt an heimischen Pilzen belohnt auch die Mühe: Steinpilze, Maronen, Semmel- und Butterpilze, Grünlinge und die besonders in der Lausitz beliebten Pfifferlinge, im Volksmund „Kurschchen“ genannt, kann man hier finden.
Nach etwa 5 km erreichen wir am Ortseingang Raden an einer Weggabelung den ehemaligen „Felsenkeller“, früher ein beliebtes Ausflugslokal, heute ein Wohnhaus. Gebaut wurde dieses Haus aus den hier reichlich vorhandenen Feldsteinen, wie unschwer zu erkennen ist. Am „Felsenkeller“ kann man entweder links in Richtung Jerischke abbiegen und gelangt auf dem Geologie-Wanderpfad nach knapp 4 km wieder zum Ausgangspunkt der Tour, oder man entscheidet sich für die Weiterfahrt geradeaus nach Preschen (ca. 2 km).
Bekannt geworden ist der Ort Preschen durch den Wetterbericht. Regelmäßig werden hier im Hochsommer die höchsten Temperaturen Deutschlands gemessen. Zu DDR-Zeiten befand sich in unmittelbarer Nähe des Ortes ein Militärflugplatz der NVA.
Preschen ist eines der ältesten Kirchdörfer im Spree-Neiße-Kreis. Die Kirche „St. Valentin“ in der Ortsmitte wurde im 14./15. Jahrhundert erbaut. Die Innenwände sind immer noch mit Originalputz versehen. Einen echten Kirchturm gibt es nicht, die Kirchenglocken befinden sich in einem hölzernen Glockenhäuschen, das neben der Kirche steht. Wie viele Gebäude ist auch die Kirche aus Feldsteinen erbaut, verstärkt mit Raseneisenerz.
1 km in westlicher Richtung befindet sich das Naturschutzgebiet „Preschener Mühlbusch“. Inmitten ausgedehnter Kiefernwälder findet man hier viele kleine Quellen. Die Weißtanne hat hier ihr nördlichstes Vorkommen in Europa.
Und noch etwas hat Preschen zu bieten: Preschener Spargel. Verkauft wird der Spargel auf dem ehemaligen LPG-Gelände, ebenso wie weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse aus einheimischer Produktion.
Von der Kirche „St. Valentin“ geht es dann in südlicher Richtung wieder 5 km durch den Wald zurück zum Schullandheim Jerischke, wo unsere Tour endet.
Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Schullandheim, da aber vorwiegend Schulklassen die Nutzer sind, empfiehlt es sich, Übernachtungsmöglichkeiten in den nächstgrößeren Städten aufzusuchen. Auskunft dazu erteilt der Fremdenverkehrsverein Forst (Tel. 03562-669066).
Die „Neißetal-Tour“ bietet den Vorteil, daß es immer Möglichkeiten gibt, die Strecke abzukürzen. Das Höhenprofil der Strecke ist wenig anspruchsvoll, es gibt nur sehr flache Anstiege, die von jedermann zu schaffen sind. Lediglich die Abfahrt hinunter ins Neißetal erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Die Strecke ist gut ausgebaut und fast durchgehend asphaltiert. Nur wenige, kurze Streckenabschnitte werden auf Hauptverkehrsstraßen absolviert, allerdings hält sich der Durchgangsverkehr in Grenzen.
Verpflegungsmöglichkeiten gibt es entlang der Tour kaum, neben dem erwähnten Ziegenhof gibt es nur noch einen Imbiß in Jerischke, ca. 300 m vom Info-Pavillon entfernt.



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