Zu Besuch in der Rosenstadt Forst (Lausitz)
Im Südosten Brandenburgs, an der deutsch-polnischen Grenze, liegt die 23.000 Einwohner zählende Stadt Forst (Lausitz), gleichzeitig Kreisstadt des Landkreises Spree-Neiße. Forst wird manchmal liebevoll „Stadt der 3 R“ genannt – Rosen, Rentner, Radfahrer. Zumindest die Rosen und Radfahrer haben hier eine lange Tradition...
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Forst das erste Mal urkundlich erwähnt. Zunächst dem Geschlecht der Biebersteiner angehörend, ging Forst später in den Besitz des Grafen Heinrich von Brühl, Ministerpräsident unter August dem Starken, über und entwickelte sich zu einer Industriemetropole der Tuchherstellung. „Deutsches Manchester“ wurde Forst damals genannt. Vom damaligen wirtschaftlichen Aufschwung künden heute noch Fabrikbauten und Wohnvillen der Fabrikbesitzer, die nach und nach restauriert und zu neuem Leben erweckt werden. Bestes Beispiel für die Nutzung einer Industriebrache ist das Landratsamt, welches sich in einer ehemaligen Tuchfabrik befindet. Die Jugendstil-Villen fallen uns immer wieder entlang unserer Stadtrundfahrt auf.
Der Oder-Neiße-Radweg führt direkt durch Forst und bietet Gelegenheit, Forst und seine unmittelbare Umgebung, die geprägt ist von ausgiebigen Wäldern, kleinen Gewässern, aber auch Bergbaufolge-Landschaften, zu erkunden.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, Forst als Startort für Radtouren in die nähere Umgebung sowie ins polnische Nachbarland zu wählen.
Wo die „Königin der Blumen“ zu Hause ist
Unsere Erkundungsreise durch Forst beginnt am Wahrzeichen der Stadt, dem weithin sichtbaren Wasserturm. In zentraler Lage gelegen, gehört dieser 72 m hohe Wasserturm sicherlich zu den architektonisch Schönsten seiner Zunft. Er ist noch voll funktionsfähig und sichert die Wasserversorgung der Stadt im Notfall für mindestens 8 Stunden ab. Am Fuße des Wasserturmes befindet sich das „Stadion der Einheit“. Wir fahren die Jahnstraße entlang, vorbei an der Schwimmhalle und dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium, überqueren die Bahnlinie und biegen halbrechts in die C-A-Groeschke-Straße ein. Schmucke Einfamilenhäuser säumen unseren Weg.
Dem Verlauf der Straße folgend erreichen wir nach ca. 1,5 km das Forster Freibad, welches in den letzten Jahren umgebaut wurde und sich großer Beliebtheit bei Alt und Jung erfreut.
500 m weiter teilt sich unser Weg, geradeaus geht es auf den Neißedamm und damit auf den Oder-Neiße-Radweg
Richtung Bad Muskau, linkerhand befindet sich unser nächster Ausflugstip, der Ostdeutsche Rosengarten.
Diese historische Parkanlage wurde 1913 anläßlich des 25jährigen Krönungsjubiläums Kaiser Wilhelm des II. mit einer Rosen-und Gartenbauausstellung in Betrieb genommen und damit der Grundstein gelegt für eine wundervolle Parklandschaft. Heute werden auf 15 Hektar Fläche Zehntausende Rosenstöcke in mehr als 600 Sorten gezeigt, darunter auch Kostbarkeiten wie die Schwarze und Grüne Rose. Jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende finden die Rosengarten-Festtage statt mit einer Vielzahl an Veranstaltungen und der beliebten Schnittrosenschau. Unbestrittener Höhepunkt ist jedoch die „Nacht der 1000 Lichter“. Tausende kleine Teelichter, Scheinwerfer und Fackeln tauchen den gesamten Park in ein Meer aus Licht und Farben, umrahmt von einem prächtigen Höhen-Feuerwerk.
Sehenswert sind der Pergolenhof, in dem sich allein rund 2000 Rosen befinden, die 2004 rekonstrierten
Wasserspiele sowie die naturbelassene Wehrinsel im englischen Landschaftstil. Auf der Wehrinsel findet man übrigens auch den wahrscheinlich schönsten und beliebtesten Brunnen der ganzen Stadt, den Bärchenbrunnen,
den schon ganze Generationen kennen und lieben gelernt haben!
Für die Besichtigung des Rosengartens sollte man sich mindestens 1-2 Stunden Zeit nehmen!
Info: Ostdeutscher Rosengarten, Wehrinselstraße 43, 03149 ForstTel. 03562-7548, www.rosengarten-forst.de
Zwischen „Seufzersteg“ und „Kreml“
Wir verlassen den Rosengarten durch den Haupteingang und setzen für die nächsten rund 2 km unsere Tour auf dem Kegeldamm entlang der Neiße fort. Nach der Unterquerung der Bahnlinie Forst-Sorau (Republik Polen) erreichen wir die erste von 2 Brücken, die einst auf die andere Seite der Neiße führten. Das Gebiet jenseits der Neiße gehörte bis zum Ende des 2. Weltkrieges ebenfalls zu Forst. Beide Brücken sollten 1945 gesprengt werden, um die anrückende Rote Armee auf ihrem Weg nach Berlin aufzuhalten. Der Sprengstoff war bereits verlegt, konnte jedoch nicht mehr rechtzeitig gezündet werden. Stattdessen trafen umherfliegende Geschoße die Sprengladungen, wodurch es doch noch zur Zerstörung der Forster Brücken kam.
Die schmalere der beiden Brücken, der „Steg“, wurde im Volksmund „Seufzersteg“ genannt, da sich am anderen Ende das Finanzamt befand. Sie ist
noch relativ gut erhalten, lediglich das mittlere Brückensegment fehlt. 
Die Brücke am Ende des Kegeldammes ist die „Lange Brücke“ gewesen, die imposanteste aller Forster Brücken. Von ihr stehen nur noch die Brückenstümpfe. Und hier teilt sich erneut unsere Tour. Geradeaus geht es entlang der Neiße, vorbei an Kleingartenanlagen, Richtung Guben. Folgen wir der Hauptstraße, kämen wir zum Forster Stadtpark und im weiteren Verlauf am Landratsamt vorüber.
Wir verlassen den Kegeldamm und fahren links in die Mühlenstraße. Wo die Straße den Mühlgraben überquert, befindet sich links die Forster Mühle. 100m weiter geradeaus erreichen wir eines der ältesten Gebäude von Forst, die Stadtkirche St. Nikolai. In der Kirche befinden sich 3 Grüfte, in denen die reich verzierten Särge derer von Bieberstein und des Grafen von Brühl zu finden sind. Nur vereinzelt, meist zu besonderen Anlässen, werden die Grüfte für den Besucherverkehr geöffnet, ebenso kann man dann einen Aufstieg auf den Kirchturm wagen und die Aussicht auf Forst genießen.
Rechts von der Kirche befindet sich der Lindenplatz, geradezu erreichen wir das eigentliche Stadtzentrum. Wir fahren jedoch links ab und erreichen nach wenigen Metern das Bürgerzentrum mit dem Restaurant „Lausitz“. Zu DDR-Zeiten hieß dieses Gebäude „Haus der deutsch-sowjetischen Freundschaft“ (der Schriftzug wurde bewußt an der Giebelseite beibehalten!). Viel gebräuchlicher im Sprachgebrauch ist der auch heute noch oft benutzte Name für das Gebäude: „Kreml“.
Rechts vom „Kreml“ befindet sich das Ärztehaus. Zwischen beiden Gebäuden hindurch geht unsere Fahrt weiter, über die Ampel vorbei an der Goethe-Schule (früher die Luisenschule, eine reine Mädchenschule), daran anschließend das Alte Amt und der Platz der Jahresbäume. Am Kreisel fahren wir geradeaus und sehen an der nächsten Kreuzung eine alte Tuchfabrik.
In dieser 1897 erbauten Tuchfabrik befindet sich das Brandenburgische Textilmuseum. Funktionstüchtige Webstühle und Geräte zeigen, wie sich im Laufe der Jahrzente die Tuchherstellung weiterentwickelt hat und wie das Leben der Forster Bürger durch die Tuchindustrie beeinflußt wurde. Und wer möchte, kann sich auch selber einmal beim Weben ausprobieren. Sonderaustellungen, Vorträge und Veranstaltungen runden das Angebot des Textilmuseums ab.
Öffnungszeiten, Di-Do 10.00 bis 17.00 Uhr, Fr-So 14.00-17.00 UhrTelefon: 03562 97356,Dem Besucher der Stadt Forst werden sicherlich die vielen Gleise besonders auf den Nebenstraßen auffallen. Bis 1965 hatte Forst eine eigene Stadteisenbahn, die vor allem der Versorgung der Tuchfabriken mit Kohle und dem Transport der Waren diente. Mehr Informationen zur Forster Stadteisenbahn, im Volksmund „Schwarze Jule“ genannt, gibt es unter www.schwarze-jule.de.
Vom Textilmuseum geht es zurück zum Kreisel, dort nehmen wir die linke Ausfahrt und gelangen nach 100 m in die Berliner Straße. An der Kreuzung Berliner Straße/Amtstraße fahren wir rechts ca 500 m bis zum Berliner Platz. Linkerhand sehen wir das ehemalige „Lindeneck“, hinter der ersten Ampelkreuzung steht auf der linken Seite die Post. Wir richten unseren Blick nach vorn zum Berliner Platz und entdecken auf den Häusern hinter der nächsten Ampelkreuzung jeweils eine kleine Turmhaube, die beide optisch sehr schön harmonieren.
Links und rechts entlang der Berliner Straße befinden sich Einkaufsmöglichkeiten. Am Berliner Platz biegen wir links ab und durchfahren die Cottbuser Straße. Wenn wir uns zurückblicken, erkennen wir wieder die Kirche St. Nikolai. Besonders auffallend ist der nur 50m vom Berliner Platz befindliche „Forster Hof“, ehemals das vornehmste Haus in ganz Forst mit seinem großen Saal im Inneren.
Wir folgen dem Verlauf der Straße bis zu deren Ende, können bei Bedarf jedoch in den Cafès und Gaststätten am Wegesrand einkehren und uns stärken.
Nach ca. 2 km erreichen wir die Kreuzung Cottbuser Str. / Euloer Straße und setzen unsere Fahrt geradeaus im Meisenweg fort. Hinter dem mittlerweile geschlossenen Kulturhaus Eulo befindet sich auf der rechten Seite die Gaststätte „Bowling im Grünen“.
Auf den Spuren von unbekannten Sängern, kleiner Nixen und Heinz Rühmann
Nach Überquerung der stillgelegten Bahnlinie Forst-Guben erreichen wir eines von vielen Erholungsgebieten rund um Forst, die „Euloer Teiche“.
Dieses Naturschutzgebiet ist nah genug an Forst dran, um es schnell zu erreichen, aber weit genug weg, um störenden Lärm wahrzunehmen. Dafür
belohnt uns die Natur mit seltenen Vogel- und Pflanzenarten. Wer die Teiche, die im übrigen zur Karpfenaufzucht genutzt werden, umrundet, kann mit
etwas Glück Graureiher, Kraniche oder den Eisvogel beobachten. Wir entschließen uns zu einer kleinen Rundfahrt und biegen zwischen den Teichen
nach rechts ab. Überall weisen uns uns Schautafeln auf geologische und biologische Besonderheiten hin.
Am Ende der zu unserer Linken befindlichen Teiche angekommen, biegen wir links ab und fahren weiter immer am Teichufer entlang.
Rechterhand befindet sich nun das weitläufige NSG „Euloer Bruch“, ein Waldgebiet mit einer Hochmoorlandschaft.
Wer will, biegt vor dem einzigen rechts liegenden Teich nach rechts ab, folgt dem Wegeverlauf bis zu den Katzenbergen und weiter zwischen den Mulknitzer Teichen hindurch bis nach Mulknitz mit seiner hübschen Kirche im Ortszentrum. Wenn man danach immer rechts auf der Straße bleibt, gelangt man wieder zum Kulturhaus Eulo und von dort ins Stadtzentrum. (Länge dieses Teilstückes: 5,5 km)
Wir biegen nicht ab, sondern fahren geradeaus weiter und erreichen nach wenigen Metern eine Schutzhütte, die „Sängerbank“. Dort biegen wir nach links und folgen für 1 km dem Verlauf des Weges, bis wir an eine große Wegegabelung gelangen. Halbrechts befindet sich der Eiskeller. Hier wurde früher in den Sommermonaten Eis gelagert, welches man zum Frischhalten von Nahrungsmitteln benötigte..
Wir wenden unseren Blick nach links und sehen geradezu wieder jenen Ort, wo wir unsere kleine
Teichrundfahrt begonnen haben. Nach Überquerung der Malxe folgen wir rechts dem Verlauf der Malxe und gelangen nach 50 Metern an das romantisch gelegene Nixewehr, benannt nach der kleinen Nixe, die auf dem Wehr liegt.
Unser Weg führt nun entlang der Malxe, umsäumt von riesigen Bäumen und musikalisch begleitet vom Gesang der Vögel und dem Plätschern des kleinen Flusses. Dieser idyllische Weg wird auch gern als „Liebesallee“ bezeichnet – kein Wunder, denn für Verliebte ist dieser Weg sicherlich mehr als romantisch...
Der Weg unterquert die Bahnlinie Forst-Cottbus und wir erreichen kurz darauf den Parkplatz. Jenseits der Malxe sehen wir die Jamnoer Berge, vor allem im Winter ein beliebtes Rodelgebiet für die Jüngsten.
Wir überqueren am Parkplatz die Brücke und biegen links in den Wald ab. Bereits nach wenigen Metern befinden wir uns an den Jamnoer Teichen. Hinter dem „Schützenteich“, welcher linkerhand sich befindet, geht ein schmaler Weg links ab. Diesen Weg folgen wir und gelangen wieder an die Malxe. Wir überqueren die Brücke am Spielplatz und fahren rechts dem Verlauf der Malxe folgend bis zur Hauptstraße. Geradezu befindet sich ein Wohngebiet, das auf Grund seiner Bauweise „Jerusalem“ genannt wird. Würden wir weiter dem Verlauf der Malxe folgen, erreichen wir nach ca 1 km das Hotel WIWO.
Wir überqueren aber nicht die Bundestraße, sondern gehen ein paar Schritte nach links und erreichen die Forster Radrennbahn, die am 17.06.1906 nach zweijähriger Bauzeit vor 10.000 Zuschauern eröffnet wurde. Damit begann die Tradition als „Stadt der Radfahrer“.
Jedes Jahr locken spannende Steherrennen die Zuschauer ins Oval. Auch wenn diese 400m-Bahn
mit ihren enormen Neigungswinkeln in den Kurven von einigen Fahrern ungeliebt, ja geradezu gefürchtet wird, sind hier schon Olympiasieger, Welt- und Europameister gefahren, unter ihnen Lutz Heßlich, Jürgen Geschke, Bernd Drogan u.a.
Und auch als Filmkulisse machte die Bahn von sich reden: Deutschlands Film-Idol Heinz Rühmann drehte hier 1932 den Film „Strich durch die Rechnung“. Über den Verbleib dieses Filmes gibt es widersprüchliche Aussagen.
Direkt an der Bahn befindet sich das Sporthotel. 30 Betten in Zwei- und Dreibettzimmern stehen zu günstigen Übernachtungspreisen zur Verfügung.
Nach einer kurzen Stippvisite des Areals setzen wir unsere Fahrt in Richtung Stadtzentrum fort und erreichen nach gut 1,5 km wieder unseren Ausgangspunkt, den Forster Wasserturm, wo unsere Tour endet.
Die Stadtrundfahrt erfolgt überwiegend auf Radwegen oder wenig befahrenen Nebenstraßen, in wäldlichen Gebieten auf Sandwegen mit festem Untergrund.
Streckenlänge: ca. 20 km
Info: Touristinformation, Cottbuser Str. 10, 03149 ForstTel. 03562-669066Übernachtungsmöglichkeiten (Auswahl):
Hotel WIWO, Domsdorfer Kirchweg 14, 03149 ForstTel. 03562-9510,Anreise:
alle Bilder: Copyright THD, 2011



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