Die Altbergbau-Tour
Das Gebiet zwischen Spree und Neiße im Süden Brandenburgs wurde geprägt durch den 130-jährigen Braunkohlenabbau, der die Landschaft und die Region verändert und Spuren hinterlassen hat. Inmitten des Muskauer Faltenbogens, einer geologischen Besonderheit, entstanden nach Beendigung der Kohlegewinnung touristische Kleinode, die auf der 22 km langen Altbergbautour erkundet werden können.
Es gab über 60 Kohlegruben und – Abbaufelder. Überwiegend im Tiefbau, dem so genannten Pfeilerbruchbau, und im Tagebaubetrieb wurde hier seit Eröffnung der Grube Julius in Wolfshain im Jahre 1843 das schwarze Gold abgebaut. Die umliegenden Tuchfabriken, Glaswerke und Ziegeleien benötigten Brennstoffe, die auch vor Ort in den Brikettfabriken Döbern und Groß Kölzig gepresst wurden.
Daneben wurde in der Region auch Ton abgebaut und zu Ziegeln verarbeitet. Zeugnis dieser Entwicklung ist die Ziegelei in Klein Kölzig, die bis 1960 in Betrieb war und gegenwärtig für die Nachwelt rekonstruiert wird. Auf Grund des geringen Eisenoxidgehaltes der Tone wurden überwiegend gelbe Ziegel verarbeitet, wie man an einigen Gebäuden entlang der Route erkennen kann.
Die ehemaligen Bruchfelder werden inzwischen von der Natur zurückerobert. Aus Tagebaurestgewässern wurden Bade- und Angelparadiese, aus Tongruben wurden romantisch gelegene Teiche.
Erst an den Pranger und dann in den Dschungel
Ausgangspunkt für die Tour ist Groß Kölzig, eine kleine Gemeinde zwischen Forst und Döbern gelegen. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1346. Man geht aber davon aus, daß der Ort wesentlich älter ist und von den Sorben/Wenden Jahrhunderte vor seiner Ersterwähnung als Runddorf angelegt wurde.
Der Ortsname Kölzig wird abgeleitet von kelc (sorbisch) für Kiefernwald, Heide. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde hier sorbisch gesprochen, viele Oster- und Fastnachtsbräuche sind bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Vom 13. bis 16. Jahrhundert war Groß Kölzig ein Wallfahrtsort.
Das Leben in Groß Kölzig war seit jeher von der Landwirtschaft bestimmt. Erst mit der Inbetriebnahme der Grube „Conrad“ im Jahre 1860 änderte sich das. Bis 1959 wurde im Raum Groß Kölzig vor allem im Tiefbau Kohle gefördert.
Zu den Sehenswürdigkeiten in Groß Kölzig gehört die Sankt Marienkirche im Dorfzentrum. Besonders wertvoll ist der Altarschrein, der bereits in der Wallfahrtskirche auf dem Marienberg etwa 1530 erbaut worden sein soll.
Auf dem Dorfplatz steht die 500 Jahre alte Prangerlinde, die in den vergangenen Jahrhunderten als Gerichtslinde diente. Kleine Gauner und Diebe wurden mittels Halseisen an den Baum gekettet und so an den Pranger gestellt.
Beliebtes Ausflugsziel ist die „Bruchmühle“ vor den Toren der Gemeinde, ein beliebtes Tanz- und Ausflugslokal. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Naturbad.
Unsere Tour beginnt an der Prangerlinde und führt vom Dorfplatz in nördlicher Richtung in die Dorfstraße und von die Jocksdorfer Straße entlang nach Jocksdorf. Nach 4 km erreichen wir den kleinen Ort. Im „Dschungelimbiß“ der Familie Mai gönnen wir uns eine kleine Stärkung und statten dem Affengehege einen Besuch ab. (Öffnungszeiten täglich ab 10.00 Uhr außer Donnerstag, mehr Infos unter Telefon 035695 7183 oder unter ).
Weiter geht es in südwestlicher Richtung, nach ca. 1,5 km überqueren wir die Hauptverkehrsstraße und erreichen nach weiteren 1,5 km Klein Kölzig. In der dortigen Heimatstube, einem ehemaligen Schloß, erfahren wir Wissenswertes zur Geschichte des Dorfes, die eng mit der Landwirtschaft, dem Bergbau und der Ziegelherstellung verbunden ist. Westlich von Klein Kölzig befindet sich das Naturschutzgebiet „Luisensee“, eines von vielen Tabebaurestlöchern.
Weiter geht es 4 km westwärts und wir erreichen über den Klein Kölziger Weg den Ort Bohsdorf Vorwerk. Ein Gedenkstein am Streckenrand erinnert an den deutsch-dänischen Krieg. Wir überqueren die Bundesstraße und fahren geradeaus weiter nach Bohsdorf.
Zu Besuch im „Laden“
Bohsdorf erlangte Berühmtheit durch den Schriftsteller Erwin Strittmatter, der seine Kindheit und Jugend hier verbrachte und seine Erlebnisse in der Roman-Trilogie „Der Laden“ veröffentlichte, die später auch verfilmt wurde. Im Roman heißt der Ort Bossdom.
Jener „Laden“, der im Originalzustand erhalten geblieben ist, ist heute wieder eine beliebte Besucherattraktion und kann im Ortszentrum besichtigt werden.
Ein 2,5 km langer Rundweg um den „Felixsee“ führt zu weiteren Originalschauplätzen des Romans.
Der „Felixsee“ nahe Bohsdorf entstand aus der Grube „Felix“ und ist heute ein beliebter Badeort für Besucher aus Nah und Fern. Lohnenswert ist auf jeden Fall der Aufstieg auf den 36m hohen Aussichtsturm. Auf jeder der 3 Ebenen erklären Schautafeln Flora und Fauna der Region und verweisen auf weitere Ausflugsziele. Den mühevollen Aufstieg entlohnt bei schönem Wetter die weite Aussicht. Bei klarer Sicht ist sogar die mehr als 100 km entfernte „Landeskrone“ in Görlitz erkennbar.
Wer sich von den Reisestrapazen erholen will, sonnt sich am Strand oder stürzt sich ins kristallklare, angenehm warme Wasser. Sichttiefen bis zu 3 Meter sind keine Seltenheit, allerdings sollten Nichtschwimmer beaufsichtigt werden, da es sehr rasch ins tiefe Wasser geht.
Nach dieser kurzen Erholung geht es zurück zum „Laden“ und von dort biegen wir rechts in den Döberner Weg, der uns zurück nach Groß Kölzig führt. Unterwegs sehen wir vom Bergbau veränderte Gieser (schmale, scharf eingeschnittene abflußlose Täler) und Bruchfelder, das heißt, ehemalige Tagebaue. Entlang der Strecke finden wir immer wieder Zeitzeugen der Geschichte, seien es aufgestellte Tagebau-Geräteschaften oder eingestürzte Stollen.
Nach 3 km erreichen wir die ehemalige Grube „Conrad“ und damit den Ortseingang von Döbern, eine kleine Stadt mit langer Glasmacher-Tradition. Hier teilt sich unsere Route, denn es empfiehlt sich ein Abstecher (ca 1,5 km) in die Döberner Glashütte. Dazu verlassen wir unseren Radweg und biegen rechts Richtung Ortsmitte ab. Ca. 200 m hinter dem ehemaligen Bahnübergang, der noch immer zu erkennen ist, biegen wir links in die Ringstraße und erreichen nach 100 m die Glashütte Döbern. In der dortigen „Hüttenschänke“ können wir rasten und uns stärken, im Glasmuseum erfahren wir Einiges über die Glasherstellung in und um Döbern und im Werksverkauf können wir günstig Glaswaren aus Döberner Bleikristall erwerben. Dem aufmerksamen Radler wird auf dem Weg zur Glashütte das Gebäude der Hirsch-Apotheke Döbern, direkt am Abzweig zur Glashütte, auffallen. Es besteht aus jenen gelben Ziegeln, die in der Kölziger Ziegelei gebrannt wurden.
Nach Besichtigung der Glashütte setzen wir unsere Fahrt fort, indem wir ein kleines Stück zurück fahren, vor dem Bahnübergang rechts in den Grenzweg einbiegen und diesen bis zum Ende folgen. Wir erreichen dann die Ortsverbindungsstraße Döbern – Groß Kölzig und biegen links Richtung Groß Kölzig ab. Nach einer kurzen Abfahrt vom höher gelegenen Döbern biegen wir links in die Alte Heerstraße und folgen dieser immer entlang der Bahnlinie. Nach Überquerung der Ortsverbindungsstraße Forst-Döbern erreichen wir nach ca. 1 km die Ziegelei. Hier entsteht das Informationszentrum zum geplanten Geologie-Park „Muskauer Faltenbogen“.
Wer sich nicht zu einem Besuch der Glashütte entschließen kann, überquert am Conradgrubenweg die Bundesstraße und setzt seine Tour auf dem Radweg fort, der später parallel zur Bahnlinie verläuft und nach Überquerung des Bahndammes kurz vor Groß Kölzig die Kreuzung Kirschallee/Alte Heerstraße erreicht. Dort vereinigt sich wieder unsere zweigeteilte Tour mit dem Streckenverlauf des Glashütten-Abstechers.
Von der Ziegelei geht es zurück zur Hauptstraße, am Naturbad biegen wir in den Bruchmühlenweg ein und fahren durch die Bruchmühle zurück nach Groß Kölzig, wo wir die Dorfstraße kreuzen. Linksherum geht es dann ins Ortszentrum, wo unsere Tour durch das Altbergbaugebiet endet.
Das Höhenprofil der Strecke ist wenig anspruchsvoll und auch von ungeübten Radlern zu bewältigen. Ebenso ist es möglich, auch andere Orte als Startort zu wählen. Die Altbergbautour beinhaltet Teilstücke des Fürst-Pückler-Kutschweges, des Fürst-Pückler-Radweges und der Niederlausitzer Bergbautour. Die Radwege sind gut ausgebaut, gut ausgeschildert und meist asphaltiert. Die Strecke führt abseits der großen Hauptverkehrsstraßen entlang.
Verpflegungsmöglichkeiten gibt es praktisch in jeder angefahrenen Ortschaft, entweder als Imbiß oder Gaststätte.
Übernachtungsmöglichkeiten gibt es reichlich, zu empfehlen ist der „Reiterhof und Pension v. Boborowsky“ in Groß Kölzig, dem Start-und Zielort der vorgestellten Tour. Dieser Reiterhof bietet Urlaub für den kleinen Geldbeutel. 5 Gästezimmer laden ganzjährig zum Übernachten ein.
Höhenangaben:



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