Der Tote im Spreewald

Erstausstrahlung: 27. Oktober 2009

Kriminalkommissar Thorsten Krüger (Christian Redl) wird zu einer Leiche gerufen. In einem Seitenarm des Spreewaldes wurde der Fährmann Daniel Bartko (Hinnerk Schönemann) tot aufgefunden. Sein Fuß steckt in einem Schlageisen. Sofort vermutet der ortskundige Hauptwachtmeister Fichte (Thorsten Merten) polnische Pelztierjäger hinter der Tat.

Krüger überbringt Bartkos schwangerer Frau Tania (Nadja Uhl) die Nachricht vom Tod ihres Mannes. Sie nimmt es ziemlich gefaßt auf. Ihr Vater Bodo Tankmann, der zum Gespräch hinzukommt, konnte den Sorben Bartko noch nie leiden. Er sei nicht gut genug für seine Tochter.

Auch die anderen Fährmänner sind nicht gut auf Bartko zu sprechen. Er wurde aus dem Kahnfährverein ausgeschlossen, weil er gegen das immer mehr ausufernde Sorbenbrauchtum der Bevölkerung rebellierte und die Schwester des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden deswegen auch verklagte.

Krüger findet durch Gespräche mit der Witwe und der Familie des Toten heraus, daß Bartko ein Einzelgänger und aus der Gesellschaft Ausgeschlossener war, der einfach nur noch weg wollte aus der Lausitz.

Nur zögerlich rückt Tania mit der Wahrheit heraus, daß Daniel Bartko ein Verhältnis mit der Polin Maria Jaruski (Anne Ratte-Polle) hatte. Was jedoch niemand weiß - Maria hat sich nur an Daniel herangemacht, damit dieser für ihren Bruder Tomek die gejagten Nutriapelze schmuggelt.

Wenige Tage nach dem Mord an Daniel spürt Tanias Vater in seinem Waldrevier den Wilderer Tomek auf. Es kommt zu einer Schießerei zwischen beiden. Tankmann kann gerade noch einen Hilferuf absetzen. Krüger, Fichte und eine Notärztin finden die beiden Schwerverletzten im Wald. Da offensichtlich nur einer der Beiden gerettet werden kann, zwingt Krüger die Notärztin, Tankmann medizinisch zu versorgen, während er selber versucht, Tomek am Leben zu halten. Maria, die dem Kommissar heimlich gefolgt ist, muß zusehen, wie ihr Bruder stirbt. Als Krüger Maria befragen will, flüchtet sie.

Mit Hilfe eines polnischen Kollegen macht Krüger Maria in Slubice (Polen) ausfindig. Geschwächt von der Flucht, erzählt Maria von ihrem Verhältnis zu Daniel. Daß sich Daniel in Maria verliebt, passte ihrem Bruder Tomek überhaupt nicht.

Tania hat inzwischen erfahren, daß Daniel ein Grundstück erworben hat. Bei der Durchsuchung dieses Grundstücks findet Krüger nicht nur die toten Tiere, sondern auch einen Abschiedsbrief von Daniel. Der Inhalt des Briefes führt Krüger schließlich zum Mörder von Daniel.

 

"Der Tote im Spreewald" ist die Fortsetzung des vielbeachteten Fernsehfilms "Das Geheimnis im Moor". Mit der Idee, einen Krimi im Spreewald spielen zu lassen, eroberte man damals Neuland, inzwischen ist durchaus eine feste Filmreihe mit losen Folgen im Gespräch. Die Gegend bietet sich schließlich an. Der Spreewald im Winter wirkt noch geheimnisvoller und mystischer. Als Imagefilm für den Spreewald eignet sich "Der Tote im Spreewald" sicherlich nicht. Im Gegenteil, man muß aufpassen, daß man der Region keinen Schaden zufügt, in dem man die Spreewald-Bewohner als ein wenig hinterwäldlerisch und eigenbrötlerisch darstellt.

Die Macher des Filmes widerstanden jedoch der Versuchung, Klischees zu zeigen. Die für den Spreewald typische Folklore wurde nur ganz kurz gezeigt, dafür wurde mehr Augenmerk auf den Alltag und die Probleme der ansässigen Bevölkerung gelegt. Der wirtschaftliche Niedergang der Region wirkt sich eben auch auf die Tourismusindustrie aus. Allerdings deutet der Film auch an, welche Hinterlassenschaften in der Region (z.B. die in dem Film geschilderte Nutriazucht) dem untergegangenen Staat DDR zuzuordnen sind. Dazu noch versteckter Rassismus und etwas Fremdenfeindlichkeit, fertig ist der "Spreewald-Krimi".

"Der Tote im Spreewald" ist jedoch kein Krimi für Freunde aktionsgeladener Handlung. Alles wirkt schwerfällig und düster. Eine winterliche Landschaft in grauen, kalten Farben bildet den Rahmen für einen Film, der anders ist als die meisten Krimis. Gegenwärtiges und Vergangenes werden oft miteinander vermischt, die Grenzen sind fließend. So kommt es schon mal vor, daß im Jetzt handelnde Personen in die Vergangenheit versetzt werden oder Tote durch ihre Anwesenheit in der Gegenwart Einfluß auf die Handlung nehmen. Gerade in jener Szene, in der Tania dem Kommissar erklären will, warum Daniel sie verlassen haben könnte, wechseln die beteiligten Akteure mehrmals die zeitliche Ebene.

Regisseur Christian von Castelberg und Drehbuchautor Thomas Kirchner verzichten auf die typischen Krimifilm-Zutaten. Kommissar Krüger ermittelt ohne den üblichen Partner, sein Leben ist genauso trostlos wie die Gegend. Sein Dienstfahrzeug ist ein alter Kahn. Verlassen von seiner großen Liebe, findet er in der Witwe Bartko eine Gleichgesinnte. Auch Tania steht vor dem Trümmern ihrer Beziehung und sucht nach einem Halt. Zwei Menschen, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben und trotzdem versuchen, etwas daran zu ändern, egal wie aussichtslos der Kampf auch sein mag. Christian Redl und Nadja Uhl verkörpern in ihren Rollen jene zerbrochenen Charaktere mit solch einer Intensität und Dramatik, daß alle anderen Darsteller bei aller Klasse keine Chance haben, diesmal mit den Beiden schauspielerisch mitzuhalten.

Zur ohnehin schon vorhandenen Melancholie gesellt sich noch ein hervorragender Soundtrack, der die düsten Bilder noch verstärkt. Harri Belafontes Version der "Unchained Melody" sowie mehrere Akkordeon-Variationen des Komponisten Jossif Gofenberg ziehen sich durch den ganzen Film.

 

Was bleibt, ist die Erkenntnis, daß sich der Spreewald durchaus als Handlung für einen Krimi eignet. Er muß ja nicht immer so düster sein wie "Der Tote im Spreewald". Wie wäre es denn mal mit einer wilden Verfolgungsjagd durch die Fließe im James-Bond-Stil?

 

Die Rollen und ihre Darsteller

Tania Bartko:

Nadja Uhl

Thorsten Krüger:

Christian Redl

Daniel Bartko:

Hinnerk Schönemann

Maria Jaruski:

Anne Ratte-Polle

Bodo Tankmann:

Hermann Beyer

Hauptwachtmeister Fichte:

Thorsten Merten

Marlene Seefeldt:

Claudia Geisler

Thomas Jaruski:

Ivan Shvedoff

Katrin Schlegel:

Anja Schneider

Jens Schlegel:

Niels-Bruno Schmidt

 

 

Stab

Buch:

Thomas Kirchner

Regie:

Christian von Castelberg

Kamera:

Martin Farkas

Musik:

Ulrich Reuter

Produziert von:

Aspekt Telefilm

Kein leichter Weg: Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl) muss Tanja Bartko mitteilen, dass ihr Mann im Spreewald tot aufgefunden wurde.

Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl, r.) erlebt, wie sich die Witwe Tanja Bartko (Nadja Uhl, l.) an die Stunden vor dem Verschwinden ihres Ehemannes erinnert.

Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl, m.) erlebt, wie sich die Witwe Tanja Bartko (Nadja Uhl, l.) in einer Vision an einen Streit mit ihrem Ehemann Daniel (Hinnerk Schönemann, r.) erinnert.

Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl, r.) versucht die Witwe Tanja Bartko (Nadja Uhl, l.) zu trösten.

Daniel Bartko (Hinnerk Schönemann, l.) will seine Geliebte Maria Jaruski (Anne Ratte-Polle, r.) von seinen Australienplänen überzeugen.

Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl, l.), Dr. Kappler (Katja Studt, m.) und Polizist Fichte (Thorsten Merten, r.) sind auf der Suche nach dem Jäger Bodo Tankmann.

alle Fotos: © ZDF / Nicolas Maack (Quelle: ZDF)

 

Filmkritik - Veröffentlichungen:

27.10.2009:

 

Mehr von...

 

 

 

Zurück

Übersicht  |  Film + TV  |  Sport  |  Die Lausitz  |  Unterwegs  |  Die Story  |  Gästebuch  |  Impressum


www.ltsv.de  |  www.schwarze-jule.de  |  www.fstw.de