Dell und Richthoven
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Erstausstrahlung: 13.11.2008
Das Konzept dieser ZDF-Serie kommt einem irgendwie bekannt vor: Pensionierter Staatsanwalt bewahrt Kleingauner vor dem Knast, in dem er ihn für sich arbeiten läßt, um ungelöste Fälle zu lösen. Der aufmerksame Zuschauer erinnert sich sofort an die US-Serie "Hardcastle & McCormick" aus den 80er Jahren, wo ein Bundesrichter und ein Knacki Fälle lösen, die der Richter zu seiner aktiven Zeit auf Grund von Verfahrensfehlern und Gesetzeslücken nie lösen konnte.
Nun also die Herren Dell und Richthofen. Der sich im Ruhestand befindliche Oberstaatsanwalt Sebastian Richthoven (Friedrich von Thun) erwischt den Trickbetrüger Bruno Dell (Christoph M. Ohrt) auf frischer Tat und stellt ihn vor die Wahl: Entweder in den Knast oder einen Whisky mit anschließendem persönlichen Gespräch. Dort erfährt Dell Richthovens Plan: Dell soll mit seiner Erfahrung und seinem Können helfen, skrupellosen Geschäftemachern, Kriminellen und korrupten Zeitgenossen das Handwerk zu legen. Dell überlegt nicht lange und willigt ein. Gemeinsam mit seiner Komplizin Lilo (Katrin Saß) und Richthovens Nichte Hanna, einer guten, aber glücklosen Schauspielerin (Annalena Duken), nehmen die Vier den Kampf für die Gerechtigkeit auf...
In jeder Folge dieser Serie wird ein Fall abgeschlossen. Der Handlungsablauf ist dabei immer der Gleiche: Richthoven stellt seinen "Mitarbeitern" den auserwählten Betrüger vor. Dell überlegt derweil, wie dem Gauner das Handwerk gelegt werden kann. Meist hilft es, sich mit einem potenziellen Opfer zu verbünden. Alles läuft zunächst nach Plan, bis plötzlich irgendetwas schiefgeht. Mal wird Dell enttarnt, mal ist der Gegenspieler klüger als erwartet. Glaubt zumindest der ahnungslose Zuschauer. Denn Dell hat immer noch einen Plan B, der dann tatsächlich auch funktioniert.
Nachdem der Gauner überführt wurde, versammeln sich alle bei Richthoven, wo Dell seinen Plan B der versammelten Mannschaft präsentiert, die ungläubig staunt, daß der Plan trotz Panne aufging. Natürlich wird auch die "Beute", also das Geld der Ganoven, an gemeinnützige Zwecke gespendet.
Genau wie Dells Pläne funktioniert auch die Serie, nämlich perfekt. Eine Prise Humor, ein paar filmische Effekte und eine Darstellerriege, der man das Vergnügen am Spiel ansieht, sorgen für höchste Unterhaltung. So schaut schon mal der Eine oder Andere gezielt in die Kamera, um so mit dem Zuschauer zu kommunizieren. Schnelle Schnitte wechseln sich mit Zeitlupen-Passagen ab. Die Aufklärung von Plan B erfolgt meist in Rückblenden, wohin die Handlung einfach zurückgespult wird. Hinzu kommen Verkleidungen der Hauptdarsteller, die bisweilen dermaßen dämlich aussehen, daß sie beinahe schon wieder Trends setzen...
Katrin Saß als Komplizin Lilo darf sich als Verwandlungskünstlerin beweisen und steigt in die verschiedensten Rollen, um den Gegner zu überlisten. Auch Friedrich von Thun darf sich in seiner Rolle häufig zum Deppen machen - den Spaß, den er dabei hat, sieht man ihm förmlich an.
Christoph M. Ohrt ist der eigentliche Kopf der Truppe und muß ständig zwischen "eiskalt berechnend" und "listig wie ein Fuchs" wechseln, was ihm leicht und locker gelingt.
Annalena Duken ist mehr als nur hübsches Beiwerk, ihre Rolle ist zwar eher klein gehalten, aber meist der Schlüssel zum Gelingen von Dells Plänen.
Vor Jahren versuchte das ZDF schon einmal, eine bekannte US-Serie fürs deutsche Fernsehen zu adaptieren. Damals scheiterte "Denninger - Der Mallorcakrimi", weil die Handlungsstränge zu sehr dem Original ähnelten. "Magnum" kopiert man eben nicht so einfach.
Diesmal ist man beim ZDF schlauer. Es ist für den geübten Zuschauer leicht zu erkennen, daß "Dell und Richthoven" nicht bloß eine Kopie von "Hardcastle & McCormick" ist. Es zeigt aber auch, daß die Überlegung, die Grundidee einer amerikanischen Serie ins Deutsche zu übernehmen und dann weiter auszubauen, funktionieren kann! Der Pool an US-Serien ist riesig, vielleicht ist "Dell und Richthoven" Vorreiter für weitere Projekte in dieser Richtung. Den Zuschauer würde es freuen.
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Christoph M. Ohrt ist Bruno Dell

Friedrich von Thun spielt den Oberstaatsanwalt Sebastian Richthoven

Annalena Duken als Richthovens Nichte Hanna
© ZDF/ Katrin Knoke



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